Sopron Pavillon

Sopron Pavillon

Revitalisierung des Soproner Burgviertels

Das Burgviertel von Sopron ist ein 40-60 meter breiter boulevard, welcher sich am äußeren Rand des Schutzgrabens herausgebildet hat, der entlang der Stadtmauern führte und das frühere historische Stadtzentrum einschloss – auf einem sogenannten glacis-Hang. Dies erklärt auch die Häuserreihen, welche überwiegend im Stil des Rokoko und des Ludwig XVI im 18. und 19. Jahrhundert mit abwechselnd unterschiedlicher Höhe und auf den typisch schmalen Grundstücken errichtet wurden. Die einzige Ausnahme ist eine Stelle, wo die Fassade durch Kriegsschäden unterbrochen wird und ein Teil der Burgmauer.

Die äußere Häuserreihe besteht aus älteren, teilweise mittelalterlichen Gebäuden mit breiteren Grundstücken, was die Entstehung von Terrassenhäusern ermöglichte, die mit dem Burgviertel über Passagen verbunden sind. Vor langer Zeit, nach der Errichtung der umliegenden Fassaden – gab es hier auch ist historisch bedeutende Marktplätze: Im 19. Jahrhundert gab es hier Viehmärkte oder stellenweise auch Heumärkte. Im 19. Jh. war das Burgviertel eher eine zusammenhängende, leicht nach außen abhängende Fläche, als ein boulevard, obwohl hier auch eine Straßenbahnlinie entlang führte. Die vorherrschenden Bedingungen, welche dem Entwurf für die Erneuerung des Burgviertels vorangingen, sind ein Produkt der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit wurde ein Verkehrsystem aufgebaut, basierend auf den Plänen von Pál Boronkai, mit Stützwänden und Verkehrsrouten, sowohl mit Einzelfahrzeugen, wie auch mit Gelenkfahrzeugen (Zufahrtsstraße). Dieser vom Kraftverkehr nominierte Zustand schränkte die Bewegung von Fußgängern auf ein Minimum ein und es kam zu einer länglichen Teilung dieses zuvor zusammenhängenden Raums. Ampelkreuzungen, Zufahrtsstraßen, vorbeifahrende und nach einem Parkplatz suchende Fahrzeuge schränken den Fußgängerraum auf einen schmalen Streifen entlang der Mauern ein. Vor dieser Erneuerung war praktisch das gesamte Burgviertel ein zusammenhängender riesiger Parkplatz. Der großzügig bemessene extrem breite öffentliche Raum, der große und zusammenhängende Platz, der von einer richtigen City stammen könnte — wurde verbaut und regelrecht zerstückelt: Der Bereich ist voll mit die Sicht versperrenden Stützwänden, Straßen und Hecken. Die traditionelle funktionale Dominanz von Gastfreundschaft und Handel in den unteren Stockwerken des Burgviertels erfuhr keine Ergänzung durch entsprechende Verbindungen zum öffentlichen Bereich (z.B. Café-Terrassen und Gastronomieeinrichtungen im Außenbereich). Die architektonischen Elemente (historische Gebäude) des öffentlichen Raums waren in einem schlechten ästhetischen, wie auch technischen Zustand und im gesamten Bereich fehlte ein integrales Bild, welches dem Burgviertel seine eigene Identität gegeben könnte. Der Raum zwischen der Statue der Jungfrau Maria Mary und der Treuefontäne (=Hűség kútja) ist einer der wichtigsten öffentlichen Bereiche von Sopron. Auch dieser wurde durch Stützwände und Treppen unangemessen geteilt.

Im Herbst 2009 kündigte der Soproner Stadtrat eine landesweite, geheime und offene architektonische Ausschreibung mit dem Titel „Sopron – Wiederbelebung des Burgviertels” an. Aus dieser Ausschreibung ging das Unternehmen Hetedik Műterem Kft. siegreich hervor, zusammen mit ihrem Partner für Landschaftsplanung – der GEUM Műterem Kft. Nach mehreren Jahren Arbeit wurde die erste und spektakulärste Erneuerungsphase des öffentlichen Raums im Jahr 2015 fertiggestellt, ein öffentlicher Raum mit rund 15 000 Quadratmetern.

Die Schönheit des Burgviertels besteht in dessen Charakter, gebildet durch die sich ständig ändernden Querschnitte und variierende räumliche Beziehungen, die sich über eine Länge von fast einem halben Kilometer ziehen und durch den Umstand, dass dies alles zum Várkörút (Burg-Boulevard) gehört, zu dessen Dynamik und Großzügigkeit. Diese Dualität, namentlich die Dichotomie der längenbezogenen Dynamik und die Querschnittsdiversität stellt hier den größten Wert dar, welchen wir in unserer Planung entsprechend noch weiter wollten. Das hauptsächliche Konzept war, dass wenn man an einem beliebigen Punkt des Burgviertels steht, man das Gefühl haben sollte, dass man sich gerade in “dem” Teil des Bereichs befindet. Doch es war auch ein moderater Ansatz notwendig, wegen der historischen Fassaden entlang der inneren und äußeren Biegungen, die bestimmende Elemente des Stadtdesigns darstellen und ein Konkurrieren mit diesen um eine visuelle Dominanz keinen Sinn ergeben würde.

Nach der vollständigen Sanierung der betrieblichen Einrichtungen wurde eine Straßenbeleuchtung installiert und es wurden von Fußgängern dominierte Oberflächen geschaffen — im Einklang mit dem ebenfalls erneuerten Verkehrssystem. Wegen der historischen Umgebung und dem vorherigen Zustand, war unser Ziel eine Pflasterung mit einheitlichem Erscheinungsbild (Farbe) zu schaffen, welche sich gleichmäßig Hang abwärts zum äußeren Bogen erstreckt und durch die Materialwahl einen edlen Eindruck macht. Dies ist auch der Grund, weshalb wir uns für dunkle Klinkersteine und Granitstreifen entschieden haben, die für die Einheitlichkeit der räumlichen Struktur sorgen. Die grafische Darstellung der zuletzt genannten, wie Notenlinien, waren zur Ordnung/Arrangierung verschiedener Architekturmerkmale des öffentlichen Raums vorgesehen, ohne dabei die Integrität zu beeinträchtigen. Infolge der Dichte der öffentlichen Einrichtungen, musste bei der Landschaftsgestaltung und Pflanzung sehr behutsam vorgegangen werden. Während im zentralen Bereich hohe Bäume mit lichtdurchlässigem Blattwerk vorgesehen waren, wurden neben den Gebäuden Baumarten mit kleineren Kronen gepflanzt – teilweise um einen Blick auf die historischen Fassaden zu ermöglichen und andererseits wegen der verschiedenen funktionalen Anforderungen der fußgängerdominierten Bereiche.

Im Schwerpunkt des Bereichs wurde ein Pavillon mit den notwendigen Serviceräumen und Toiletten errichtet. Das Gebäude hat feine Betonoberflächen mit einer Brettschalungstextur, vorgefertigte Gitter aus Stahlbeton und mit Holzpaneelen versehene Fassaden, die in einer behutsamen Weise die Materialität der hervorragenden monumentalen Sanierungsarbeiten evozieren, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Sopron durchgeführt wurden.

Die erste und umfassendste Phase der Burgviertelsanierung wurde abgeschlossen und zeigt jetzt die Richtung für die weitere Entwicklung dieses Gebiets rund um das Stadtzentrum an. Die bereits in Angriff genommene Revitalisierung des öffentlichen Platzes im Stadtzentrum wird zusammen mit der Erneuerung von zwei größeren verbundenen Bereichen abgeschlossen, dem Kisvárkerület (kleines Burgviertel) und dem Széchenyi tér.

Hinsichtlich des erneuerten öffentlichen Bereichs, schrieb Barnabás Winkler in seiner Bewertung: “Die Besucher der Stadt, doch vor allem die Einwohner von Sopron sind sichtbar glücklich über diesen wieder belebten Stadtteil. Das Burgviertel ist keine bloße Umlaufzone mehr und ist erfüllt durch städtisches Leben… Die einstige vertrauliche und intime Atmosphäre des Burgviertels ist wieder zurückgekehrt, gebildet mit modernen Materialien bei gleichzeitiger Wahrung der kleinstädtischen Gemütlichkeit.” (Régi-új Magyar Építőművészet 2016/3)

 

Kontakt

Architektur:
Designer: Hetedik Műterem Ltd. (www.hetedik.hu)
Ausführender Architekt: Levente Szabó DLA
Ingeneur: Csaba Horváth
Baustatik: Géza Kapovits
Wassertechnik: Gergely Drobni, László Skublics

Bauunternehmer:
VEMÉVSZER Ltd.

Auszeichnungen:
ICOMOS Award 2016,
DaNS 20th Salon of Architecture in Novi Sad, Salon Award in urban design category
Fotos: Balázs Danyi