Archeopark Pavlov

Archeopark Pavlov

Urbane und architektonische Lösung

Einleitung

Die Idee eines Museums wurde das erste Mal im Jahr 2002 von Archäologieinstitut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Brünn aufgeworfen, welches jetzt auch der Fachpartner und Sponsor dieses Projektes ist. Dieses Projekt wurde vom Regionalmuseum in Mikulov in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Radko Květ vorbereitet. Die Bauarbeiten erfolgten gemeinsam mit dem Unternehmen OHL ŽS, a.s. und der SKRstav, s.r.o. Pixl-e war der Auftragnehmer in Bezug auf die Ausstellung, deren Möbel und die notwendige Ton- u. Bildtechnik von den Unternehmen A.M.O.S. Design, s.r.o. und Lotech, s.r.o. gestellt wurden.

Archäologische_ Aspekte: Die Standorte Dolní Věstonice – Pavlov – Milovice

Schon seit Jahrzehnten bringen Ausgrabungen im Komplex paläolithischer Siedlungen (Zeitalter der Mammutjäger) Unmengen von Stein- und Knochenwerkzeugen und künstlerische Gegenstände zum Vorschein, wie auch die Knochenüberreste von (anatomisch gesehen) modernen Menschen. Dadurch rangieren die Gemeinden von Pavlov und Dolní Věstonice in der Rangliste archäologischer Ausgrabungsstandorte doch recht weit oben. Dieser Standort erinnert uns an vergangene Epochen und ist sowohl ein Teil des allgemeinen Kulturerbes, wie auch ein symbolisches und integrales Element der örtlichen Kultur, die das Verhältnis der lokalen Bevölkerung und der Region auf eine grundlegende Weise formt. Diese Standorte verkörpern Kulturwerte, auf welche die örtliche Bevölkerung stolz ist und auf denen ihr Verhältnis zum Land basiert.

Diese bemerkenswerte Kombination aus Architektur u. Ausstellung umfasst eine Fläche von mehr als 500 Quadratmetern und vereint moderne Ton- und Bildtechnik mit traditionellen Museumsausstellungen. Die Öffentlichkeit wird dadurch mit den wichtigsten hiesigen wissenschaftlichen Entdeckungen vertraut gemacht. Zusätzlich zu den Fotos und Dokumenten, welche eine detaillierte Historie verschiedener Ausgrabungen in diesen Standorten aufzeigen, wird das Museum ebenfalls echte Fundstücke ausstellen und den Besuchern die spirituelle Welt dieser urzeitlichen Menschen enthüllen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf Themen wie die Jagd, das tägliche Leben der Jäger, deren Kunst und Bestattungsrituale, wie auch auf andere Aspekte ihrer damaligen Welt gelegt.

Der Archeopark kann sich durchaus zu einem attraktiven Ausflugsziel von kulturinteressierten Touristen im Rahmen der gegenwärtigen Fremdenverkehrsinfrastruktur entwickeln.

Urbane und architektonische Lösung

Das Projekt löst die urbanen und architektonischen Fragen des Standorts, einschließlich der technischen Aspekte und des Verkehrs, zusammen mit der Flora der umgebenden Landschaft. Der Archeopark hat im Sinne breiterer stadtplanerischer (urbanistischer) Umstände eine wirklich delikate Lage. Dieser befindet sich nämlich an der Grenze zwischen dem Gemeindegebiet und der offenen Landschaft und gehört zur beeindruckenden Szenerie der Bergkette von Pálava. Der Großteil des Bauwerks ist unterirdisch gelegen, wobei nur einige Betontürme über die Geländeoberfläche reichen.

Die architektonische Lösung basiert auf den Bedingungen der Lokalität und wurde nach drei grundlegenden Aspekten arbeitet:

  1. Das Bauwerk ist Teil eines nationalen Kulturdenkmals, wodurch sich die Bauarbeiten auf bereits archäologisch erforschte und ausgeschöpfte Lokalitäten beschränken, lediglich mit der Ausnahme der “in situ” -Ausstellung.
  2. Wir sind davon ausgegangen, dass sich die archäologischen Ausgrabungen 4–5 Meter unter der derzeitigen Geländeoberfläche befinden.
  3. Das Bauwerk ist Teil eines geschützten Landschaftsgebiets. Aufgrund dieser Aspekte wurde auch das Konzept eines unterirdischen Bauwerks vorgebracht, zusammen mit der freien Paraphrase eines “aus grünen Wiesen und Weinbergen emporragenden Kalksteinfelsens”.

Der hauptsächliche Ausstellungsbereich — genauso wie die Bereiche für Büros, Technik und soziale Einrichtungen — sind im Berginneren untergebracht. Der Tageslichtturm ragt in den Außenbereich, genauso wie der kegelartige Eingangsbereich und die Aussichtspunkte in Richtung der Gemeinde Děvičky und des Sees unterhalb. Das Gebäude sollte durchaus absichtlich eine “Höhle” evozieren. In Bezug auf die verwendeten Materialien, kamen hier moderne Mittel zum Einsatz um monolithische Reliefs durch Beton, Eichenholz und Glas darzustellen.

Der Eingangsbereich zum Archeopark wird von Gabionenwänden definiert. Diese Zone ist multifunktional: Sie kann durchaus für Freiluftaktivitäten herhalten (wie Theateraufführungen) oder als ein weiteres background für Archäologiearbeiten.

Dieses open-air-Landschaftsprojekt ermöglicht eine räumliche, wie auch funktionale Verwendung des Bereichs und leistet einen subtilen Beitrag zur Szenerie unterhalb des Bergs Děvín.

 

Technische Lösungen: Planungsmethoden und der spannende Verlauf der Bauarbeiten

Das Museum als solches besteht aus bewehrtem Relief-Ortbeton in einem wasserdichten System. Die scharf geformte Decke wird von den Wänden und Türmen gestützt, wobei keine weiteren Stützelemente notwendig sind. Die Komplexität der Formen ist außergewöhnlich und es wurden auch ungewöhnliche Sandwich-Verbundkonstruktionen für die über das Geländeniveau herausragenden Elemente verwendet.

Von den ersten Skizzen bis zur Erstellung der Einreichpläne für die Baugenehmigung verwendeten wir für den Gebäudeentwurf Skizzen, Papiermodelle, 3D-Modelle, wie auch orthogonale Zeichnungen. Während der Umsetzungsphase des Projekts haben wir ein 3D-Modell entwickelt, welches später systematisch in seine Einzelteile zerlegt wurde. Diese Teile wurden anschließend bemaßt und von Bauprofis entworfen und schließlich wieder zusammengesetzt. Während der Bauarbeiten arbeiteten wir sowohl mit 3D-Modellen, wie auch mit orthogonalen Zeichnungen. Die Bauplattform und Höhe wurden geodätisch abgesteckt.

Änderungen während der Bauphase:

Der Bauphase vorangehende archäologische Ausgrabungen enthüllten eine mit Knochen gefüllte Abfallgrube. Da dies ein bedeutender Bestandteil dieses nationalen Kulturdenkmals war, wurde beschlossen diese zu erhalten und hier auch gleich mit auszustellen. Auf der Grundlage dieser Entscheidung haben wir uns schließlich entschlossen das Projekt in den zwei relevanten Bereichen entsprechend anzupassen.

Die “in situ”-Exposition präsentiert die erhaltene Abfallgrube mit Mammutknochen, als Folge der archäologischen Erkundung im Jahr 2014. Uns wurden jegliche Eingriffe in Lokalitäten möglicher künftiger archäologischer Untersuchungen untersagt. Nachdem die allgemeine Erkundung abgeschlossen war, wurde das Abfallloch mit einer Sandschicht zugeschüttet und mittels einer vorübergehenden Holzkonstruktion geschützt, welche später durch ein Fundament und Abstützwände versetzt wurde. Die schützende Sandschicht wurde erst nach der Fertigstellung des Museumsgebäudes entfernt.

Kontakt

Architekten: Radko Květ, Pavel Pijáček

Kooperation: Barbora Fišerová, Jiří Zrzavý, Lukáš Gergela, Verena Dickmann, Jiří Markevič, Klára Michálková, Radek Sládeček, Lucie Surá, Richard Mátl, Renata Košťálová

Architekt Website: www.kvetarch.cz

Photograph: Gabriel Dvořák, www.gabin.cz

Adresse:

Archeopark Pavlov
23. dubna 264
691 29 Pavlov
Tschechische Republik